Arthur & Regina Adler

De Duitse oud-geschiedenisdocent en Krimiautor Reinhard Junge (1946), ging op zoek naar het verleden van zijn stadgenoten Arthur Adler en Regina Adler-Krohn. Zij vluchten in de jaren dertig naar Nederland en zaten tijdens de oorlog lange tijd gevangen in een concentratiekamp. Dit komt overeen met de geschiedenis van de vader van Reinhard, Heinz Junge, die naar Nederland kwam, opgepakt werd en onder andere Mauthausen en Sachsenhausen overleefde. Met dank aan Susanne Schmidt van het Stadtarchiv Bochum en aan Jürgen Kwiatkowski van Gemeindearchiv Issum.

Bewoners en bewakers in het Vluchtelingenkamp Westerbork.

Arthur & Regina Adler

‘Das Ehepaar Adler gehört zu den wenigen deutschen Juden, die den Faschismus, die Emigration und die Gefangenschaft in Westerbork überlebt haben und nach der Befreiung noch viele Jahre gemeinsam verbringen konnten.

Über den Lebensweg der beiden sind nur wenige Daten bekannt. Arthur Adler wurde am 01.11.1910 in Bochum-Werne geboren, einem Vorort, in dem damals die meisten Menschen vom Bergbau lebten und arm waren.

Der Familie Adler ging es offenbar besser. Vater Felix, der am 16.12.1871 in Bochums Nachbarstadt Witten (Ruhr) geboren worden war, war Schneidermeister und führte zumindest bis 1938 ein Schuh- und Manufakturwarengeschäft auf der Straße Werner Hellweg 505. Adlers Mutter Julia Bouscher wurde am 08.08.1868 in Issum am Niederrhein geboren und war von Beruf Näherin. Am 15.08.1902 heiratete sie Arthur Adler in ihrer Heimatstadt und zog mit ihm nach Bochum.

Nach dem Pogrom vom 9. November 1938 mussten die Adlers wie alle anderen Juden die zusätzlichen Vornamen Israel und Sara annehmen und offenbar auch ihr Geschäft aufgeben. Sie zogen am 09.06.1939 zunächst nach Issum und wurden im Juli 1942 Theresienstadt deportiert. Julia starb dort am 24.06.1943, Felix am 30.04.1944.

Auch über Arthur Adler sind nur dürre Daten herauszufinden. Da seine Eltern ein Geschäft besaßen, konnte der Sohn das Lessing-Gymnasium in Bochum-Langendreer besuchen, das er zu Ostern 1930 mit dem Abitur verlassen konnte. Wo er dann studieren konnte, ist zurzeit noch unbekannt. In Nazi-Deutschland hätte er nicht mehr promovieren können.

Seine Frau Regina wurde am 10.02.1908 in Königsberg (heute Kaliningrad) geboren. Ihr Lebensweg liegt noch im Dunkeln. Es ist nicht einmal bekannt, wann und wo die beiden sich kennen gelernt und geheiratet haben.

Sicher ist jedoch, dass Arthur und Regina nicht Arthurs Eltern nach Issum folgten, sondern der Judenverfolgung der Nazis zunächst entgehen und in die Niederlande fliehen oder „offiziell“ emigrieren konnten. Nach Hitlers Überfall auf Polen, mit dem am 1. September 1939 der 2. Weltkrieg begann, wurden sie wie alle anderen geflüchteten Deutschen von der holländischen Regierung interniert und am 20.03.1940 nach Westerbork gebracht.

Zwei Monate später wurden auch die Niederlande von der Nazi-Wehrmacht besetzt und die Eroberer übernahmen das Kamp. Für die Verwaltung und alle anderen Arbeiten setzte die SS – wie in den Konzentrationslagern in Deutschland und Polen – Häftlinge ein. Der deutsche Gefangene Hans Bial beschreibt in seinem Tagebuch „Briefe an Betty“, dass viele dieser Tätigkeiten einen (nie ganz sicheren) Schutz vor den Deportationen nach Auschwitz oder in andere Vernichtungslager boten. So wurden auch Arthur Adler als Arzt und seine Frau Regina als Krankenpflegerin von der SS gebraucht, um den Inhaftierten ein ungefährdetes Leben vorzutäuschen. Dass die Transporte nach Osten dann meist in den Tod führten, war den Häftlingen lange Zeit unklar.

Das Ehepaar Adler konnte schließlich in die USA reisen. Arthur arbeitete zunächst im Yonkers General Hospital in Westchester County, bevor er eine eigene Praxis in Spring Valley eröffnete.

In den letzten Monaten des Krieges schwebten auch die Langzeit-Häftlinge in Ungewissheit: Würden die Alliierten den Norden der Niederlande erreichen, bevor die letzten Mordkommandos der SS nur noch Tote zurückließen? Die Erlösung kam auch für die Adlers am 12. April 1945. Bereits einen Tag vorher war der SS-Kommandant verschwunden, in der Nacht flüchteten die letzten Militärs – und am Nachmittag tauchten die ersten englischen Panzer auf.

Die ersten Monate nach der Befreiung waren dennoch schwer. Die holländischen Juden konnten nach und nach in ihre Heimatorte zurückkehren, aber die meisten Deutschen wollten nicht zurück, sondern lieber nach Palästina, England oder in die USA übersiedeln. Der Weg ins Ausland führte auch für die Adlers zuerst nach Bergen-Belsen, wo viele Juden Monate, manchmal auch Jahre in einer alten Wehrmachtskaserne auf die Ausreise warten mussten – und medizinische Hilfe notwendig war.

Das Ehepaar Adler konnte schließlich in die USA reisen. Arthur arbeitete zunächst im Yonkers General Hospital in Westchester County, bevor er eine eigene Praxis in Spring Valley eröffnete.

Interessant ist, dass Arthur Adler auch nach dem Krieg noch Verbindungen zu seiner alten Schule besaß. 1953 feierte das Lessing-Gymnasium sein 50-jähriges Bestehen und in der Festschrift wurde zusammen mit den anderen Abiturienten auch Arthur erwähnt (seltsamer Weise als Dr. phil.) – samt einer Adresse in New York.

Regina Adler-Krohn starb im Alter von 74 Jahren im November 1982. Drei Jahre später, im Alter von 75 Jahren, heiratete Arthur noch einmal, bevor er sich im Alter von 80 Jahren beruflich zur Ruhe setzte. Seine 2. Frau Regina Weiss war an seiner Seite, als er am 4. März 2006 im Alter von 95 Jahren starb. Die antisemitischen Massenmörder hatten sich das bestimmt anders vorgestellt.

Vor einigen Jahren haben deutsche Antifaschisten damit begonnen, vor den ehemaligen Wohnungen der Nazi-Opfer „Stolpersteine“ ins Pflaster zu setzen – die heute lebenden Menschen sollen darüber „stolpern“, also immer wieder daran erinnert werden, welche Verbrechen die Nazis begangen haben.

In Julia Adlers Heimatstadt Issum gibt es einen Gedenkstein, auf dem auch an sie und ihren Mann Felix Adler erinnert wird.

Das Haus, in dem die Familie Adler in Bochum-Werne gewohnt hatte, war 1953 im Besitz eines Neffen von Arthur Adler. Wie es dazu kam, hat Bruno Adler offenbar nie erzählt. Aber auch an dieser Stelle soll es demnächst einen Stein geben, der an den Felix Adler und seine Frau Julia erinnern soll.’